Jakob Lorber


Der Geburtsort von Jakob Lorber liegt im heutigen Slovenien etwa 15 km vom heutigen Maribor entfernt.  Jakob Lorber wurde am 22. Juli  1800 in Kanischa geboren. Er war  der erste Sohn von Michael  Lorber verehelicht mit Maria  Tautscher. Michael Lorber bezog  sein Einkommen einerseits aus  der Bewirtschaftung zweier  Bergholden und anderseits als  Kapellmeister bei der damals  sehr beliebten "Schwarzen-  bacher" Musikergesellschaft. Aus  der Erkenntnis heraus, dass eine  gute berufliche Ausbildung sehr  wichtig ist, scheuten die Ehe-  leute Lorber keine Mühe, um  ihren drei Kindern eine gute  Ausbildung zu gewährleisten.  Der jüngste Sohn Josef wurde Lehrer und Michael, der Zweitgeborene, erwählte nach der Vollendung seiner Studien eine juristische Laufbahn.


Lorbers Geburtshaus Mit neun Jahren wurde Jakob Lorber in der Dorf- schule in Zahring einge- schult. Er wurde dort im Lesen, Schreiben und Rech- nen unterrichtet. In dieser Zeit zeigte sich auch schon seine große Vorliebe für die Musik, in deren Anfängen er von seinem Vater unter- richtet wurde. Später über- nahm der Ortsschullehrer Anton Udl diese Aufgabe und unterwies Jakob im Violin-, Klavier- und Orgel- spiel. Während der Aus- bildung stellte sich heraus, dass Jakob ein sehr gutes musikalisches Gehör hatte, so dass sein Lehrer ihm nebenbei das Stimmen von Orgeln beibringen konnte. Im Sommer 1817 nahm er von seiner Heimat Abschied und wanderte nach der nur zwei Meilen entfernten Stadt Marburg, um dort die Vorbereitungsanstalt für Volksschullehrer zu besuchen. Nach Beendigung dieses Kurse trat er in St. Egydi als Lehrergehilfe in den Schuldienst ein. Später übernahm er in St. Johann im Saggatal eine Stelle als Lehrergehilfe. Der dort ansässige Kaplan erteilte ihm einigen Unterricht in der lateinischen Sprache und ermunterte ihn, eine Studienlaufbahn als Priester zu beginnen.

Dieses Grazer Haus diente Jakob Lorber viele Jahre lang als Wohnstätte.  Diesem Rat folge leistend, kehrte  Lorber im Herbst 1819 nach Marburg  zurück und ließ sich im dortigen  Gymnasium als Schüler einschreiben.  Seinen Lebensunterhalt verdiente er  sich in dieser Zeit indem er für kleine  Verrichtungen in der Schule monatlich  ein kleines Entgelt bezog. Außerdem  spielte er gegen ein kleines Honorar  beim täglichen Schulgottesdient in der  Kirche die Orgel und er erwarb sich  durch Erteilung von Unterricht im  Violinenspiel, worin er es in der  Zwischenzeit schon zu einiger Fertig-  keit gebracht hatte, ein willkommenes  Zubrot. Nachdem er fünf Gymnasial-  klassen mit sehr guten Erfolg beendet  hatte, begab er sich, teils um seine  Studien fortzusetzen, teils um sich im Violinenspiel zu vervollkommnen, im Herbst 1824 in die Landeshauptstadt Graz. Hier setzte er seine Gymnasialstudien als Privatschüler in der sechsten Klasse fort. Die Tatsache, dass es Lorber in der für ihn fremden Stadt Graz schwer fiel, einen ausreichenden Lebensunterhalt zu verdienen und die dadurch resultierende Schwierigkeit, an seine bisherigen Studienerfolge anzuknüpfen, verleidete ihm das Studium dermaßen, dass er im zweiten Halbjahr das Gymnasium verließ und eine Anstellung als Hauslehrer antrat.

Er übernahm eine Hauslehrerstelle bei einer Grazer Familie und unterrichtete deren Kinder fünf Jahre lang zur vollsten Zufriedenheit der Eltern in Schreiben, Lesen, Rechnen, Musik und Zeichnen. Um sich für seine Zukunft eine gesicherte Existenz aufbauen zu können, besuchte er im Jahre 1829 den höheren pädagogischen Kurs für Lehrer an Hauptschulen und erwarb dort ein ihn als Lehrer "ganz und wohl" empfehlendes Schulzeugnis. Als aber 1830 seine erste Bewerbung um eine Anstellung als Lehrer nicht gleich zum gewünschten Ziel führte, gab der leicht Entmutigte diesen Lebensplan auf, und zwar für immer. Er verlegte seine Tätigkeit nun ganz auf die Musik, indem er Unterricht in Gesang, Klavier und Violinenspiel gab. Nebenei komponierte er einige Lieder und Konzertstücke. Durch diese Aktivitäten kam er mit dem damals sehr bekannten Komponisten Anselm Hüttenbrenner in Kontakt, der als Gutsbesitzer in Graz lebte und zu jener Zeit dem Steiermärkischen Musikverein als Direktor vorstand. Dieser verschaffte ihm die Möglichkeit, bei Konzerten des Musikvereins seine Fähigkeiten als Violinenspieler dem Publikum vorzutragen.

Einige Jahre zuvor (1828) versetzte Paganini das kunstliebende Wien mit seiner außerordentlichen Fähigkeit auf der Violine in Begeisterung. Um diesen außergewöhnlichen Kunstgenuss mitzuerleben, eilte Lorber auch nach Wien, um dessen Violinenspiel zu hören. Dabei hatte er das große Glück, Paganini persönlich kennenzulernen, ja sogar von ihm ein paar Unterrichtsstunden zu erhalten. Dieses Erlebnis führte dazu, dass Lorber Paganini zu seinem großen Vorbild machte, und er versuchte, ihm in rastlosem Eifer nachzustreben. Aber auch mit anderen Virtuosen auf seinem Lieblingsinstrumente, der Geige, wie z.B. Ernst oder Eduard Zäll, kam Lorber zu jener Zeit in Berührung. Im Laufe der Zeit entwickelte sich Lorbers Virtuosität auf der Violine soweit, dass es immer öfter zu öffentlichen Auftritten kam und diese auch in den Zeitungen immer mehr Anerkennung fanden. Als er im Oktober 1839 im Rittersaale des Landhauses ein Konzert gegeben hatte, äußerte sich das damalige Beiblatt zur "Grazer Zeitung", "Der Aufmerksame" in Nr. 129 über sein Künstlertum wie folgt: "Herr Lorber ist kein Violinist, der sich in den Schranken irgendeiner Schule bewegt; er ist ganz Autodidakt. Unstreitig ist er mit mehr als gewöhnlichem Talente ausgerüstet, und bewunderungswürdig ist die Kunstfertigkeit, zu welcher Herr Lorber durch den unermüdlichen Fleiß und eine eigentümliche Anwendung seiner musikalischen Naturgabe es gebracht hat. Mit Staunen sehen wir ihn Schwierigkeiten überwinden und selbst Wagstücke bestehen, an deren Ausführbarkeit wir zweifeln würden, wenn wir nicht durch Lorber fast immer siegende Verwegenheit eines andern belehrt wären. Er belebt mit einem Bogenstrich 120 bis 160 Notenköpfe. Seine Staccatos sind wunderschön. Und die Triolen, Doppelgriffe, Flageoletts Pizzicatos mit einer Hand und sonstige Bravoursätze führt er sehr leicht und auch oft ziemlich rein aus, Aber indem er sich eben in das Ungewöhnliche verliert, geschieht es auch zuweilen, dass die in seinem Spiele sich drängenden Schwierigkeiten in so phantastischer Überladung angehäuft sind, dass man vor lauter Schwierigkeiten und Dissonanzen gar nichts anderes zu hören bekommt und von Ton, Melodie, Ausdruck und folglich wahrem Genusse des Zuhörers gar keine Rede mehr ist. Das Studium und die Beharrlichkeit des Herrn Lorber, so Ungewöhnliches zu Tage zu fördern, verdienen allerdings gerechte Anerkennung. Wieviel williger aber und ungeteilter würde man ihm den herzlichsten Anteil zuwenden, wenn er sein bedeutendes Talent statt dem bloß Schweren, dem wahrhaft Schönen, dem auf die Länge doch allein nur Lohnbringenden, gewidmet hätte. Die Aufnahme des Konzertgebers von Seite des Publikums war auszeichnend und dem Verdienste des Herrn Lorbers angemessen."

Jakob Lorber  Diese wohlmeinenden  Kritiken und Mahnungen  führten bei Lorber nicht  zur Entmutigung, son-  dern sie spornten ihn  zu noch größerem Eifer  in seinem Kunststreben  an. Als er zehn Jahre  später anläßlich eines  Wohltätigkeitskonzertes  zwei seiner eigenen  Kompositionen vorspiel-  te, schrieb das damalige  Lokalblatt "Aurora" (Mai  1849, Nr. 36), dass  Lorber nicht nur in  Paganinischen Bogen-  künsten enorme Fort-  schritte gemacht, son-  dern sich auch Schön-  heit und Fülle des Tones  in erfreulicher Weise an-  geeignet habe.

Obwohl Lorbers Hauptinteresse in dieser Lebensphase die Musik war, konnte sie die inneren Bedürfnisse seines Herzens nicht voll ausfüllen. Besonderes Interesse hatte er für die Astronomie. Ihm fehlten zwar die notwendigen mathematischen Kenntnisse um sich wissenschaftlich mit der Astronomie auseinandersetzen zu können, trotzdem zog ihn die unendliche Tiefe des gestirnten Himmel unwiderstehlich an. Um einen besseren Einblick in die Geheimnisse des Weltenraumes zu erlangen baute er sich einen großen, ziemlich einfachen geratenen, jedoch durchaus brauchbaren Tubus.

An heiteren Sommerabenden bzw. in sternhellen Nächten wanderte er, seinen Tubus an einem Band umgehängt, mit dem einen oder anderen Freund an seiner Seite hinaus aus die Stadt, um den Himmel zu beobachten. Hier betrachtete er dann selbst und zeigte auch seinen Begleitern den narbenvollen Mondball, den Jupiter mit seinen Trabanten, den Saturn mit seinem Lichtring, die übrigen Planeten und den sich wunderbar auftuenden Sternenhimmel von Myriaden leuchtender Weltkörper, zu welchen sich die Milchstraße und die Nebelflecke vor dem Objektivglase seines Tubus in das Unendliche ausbreiteten.

So wie sich auf diese Weise sein Bestreben, in die Geheimnisse der materiellen Schöpfung einzudringen, Ausdruck verschaffte, so entwickelte sich in ihm das unwiderstehliche Verlangen, den Weg zu den geheimen Schätzen der geistigen Welt zu finden.

So fühlte er sich denn auch zu der Lektüre von Werken hingezogen, die seiner tiefen Innerlichkeit entsprachen. Wenn ihm sein Broterwerb die Muße ließ, las er Bücher von Justinus Kerner, Jung Stilling, Swedenborg. Jakob Böhme, Johann Tennhardt und J. Kerning, wobei ihm besonders der letztere lag. Lorber war allerdings nicht der Typ, der aus der Lektüre dieser Bücher ein Studium machte. Er las nur einige Bücher der oben aufgeführten Autoren und legte in der Regel die Werke nach dem Lesen beiseite. Das einzige Buch was er immer griffbereit hatte war die Bibel. Aber auch aus dem Lesen dieser machte er kein tägliches, d. h. äußerlich gewohnheitsmäßiges Geschäft, vielmehr griff er auch nur dann nach dem Buch der Bücher, wenn ihn ein äußerer Anlass oder ein innerer Antrieb dazu drängte. Beruflich konnte Lorber immer noch keine feste Anstellung vorweisen, obwohl er mittlerweile schon 40 Jahre alt geworden war. Nun ging ihm aber aus Triest unerwartet die Einladung zu, unter recht annehmbaren Bedingungen dort eine zweite Kapellmeisterstelle zu übernehmen. Er ging darauf ein und traf alle Vorbereitungen zur Abreise. Aber wie so oft im Leben kam für Jakob Lorber alles ganz anders.

Er hatte am 15 März 1840 um 6 Uhr morgens - so erzählte er es später seinen Freunden - gerade sein Morgengebet verrichtet und war im Begriff sein Bett zu verlassen, als er links in der Brust, an der Stelle wo sich das Herz befindet, deutlich eine Stimme ertönen, welche ihm zurief: "Steh` auf, nimm deinen Griffel und schreibe!" - Er gehorchte diesem geheimnisvollen Rufe sogleich, nahm die Feder zu Hand und schrieb das ihm innerlich Vorgesagte Wort für Wort nieder. Es war der Anfang des Werkes: "Die Haushaltung Gottes" oder "Geschichte der Urschöpfung der Geister- und Sinnenwelt sowie der Urpatriarchen".

Lorber lehnte nach diesem Ereignis die ihm angebotenen Anstellung ab und diente dieser geheimnisvollen Einflüsterung von derselben Stunde an während einer Reihe von 24 Jahren bis zu seinem Tode als emsiger Schreiber, indem er sich demütig einen Knecht des Herrn nannte.

Lorber begann dieses Schreibgeschäft, welches von nun an die Hauptaufgabe seines Daseins blieb, fast täglich schon morgens vor dem Frühstück, welches er in seinem Eifer nicht selten ganz unberührt stehen ließ. Dabei saß er, meistens mit einer Mütze auf dem Kopf, an einem kleinen Tischchen - im Winter knapp neben dem Ofen - und führte ganz in sich gekehrt, mäßig schnell, aber ohne je eine Pause des Nachdenkens zu machen oder eine Stelle des Geschriebenen zu verbessern, ununterbrochen die Feder, wie jemand, dem von einem anderen etwas diktiert wird.

Zu wiederholten Male berichtete er, wenn er hiervon sprach, dass er während des Vernehmens der ihm einsagenden Stimme auch die bildliche Anschauung des Gehörten hat. Seiner Aussage nach teilte er das innerlich Vernommene aber noch leichter mit, wenn er es einem anderen mündlich kundgeben konnte. Und in der Tat diktierte er einigen seiner Freunde einzelne Aufsätze, ja ganze Werke von mehreren hundert Schriftbogen. Dabei saß er neben dem Schreibenden, ruhig vor sich hinschauend und nie in seinem Redefluss stockend oder irgendeine Satzfügung oder auch nur einen einzelnen Ausdruck abändernd. Und wenn sein Diktieren durch Zufall für eine kürzere oder längere Zeit, selbst für Tage oder Wochen, unterbrochen wurde, so vermochte er das bisher Geschriebene, ohne von demselben mehr als die letzten Worte oder Zeilen nachgelesen zu haben, sogleich in richtigen Zusammenhang fortzusetzen.

Seinen Lebensunterhalt verdiente sich Lorber in dieser Zeit durch Musikunterricht. Im Jahre 1844 erhielt er von seinen beiden Brüdern die Einladung, zu ihnen nach Greifenburg in Oberkärnten zu kommen und ihnen bei der Besorgung einiger Privatgeschäfte behilflich zu sein. Da in Graz die Zahl der Musiklehrer immer mehr zunahm und es dadurch für Lorber immer schwieriger wurde, seinen Lebensunterhalt zu verdienen, entschloss er sich dieses Angebot anzunehmen. Er widmete sich nun der Durchführung der ihm von seinen Brüdern übertragenen Geschäfte, welche in der Beaufsichtigung einer von ihnen übernommenen Holzlieferung bestanden und durch die er größere und kleinere Reisen unternehmen musste. Diese führten ihn unter anderen nach Innsbruck, Bozen sogar bis nach Mailand, wo er im Theater 'della Scala' ein vom Publikum gut aufgenommenes Violinenkonzert gab. In jener Zeit, als er sich in Oberkärnten aufhielt, bestieg er dort mehrere Hochgebirge, darunter auch den Großglockner.

Im Jahre 1846 kehrte Jakob Lorber nachdem er seine Aufgabe in Oberkärnten gelöst hatte wieder nach Graz und zu seinen früheren Tätigkeiten zurück, die er nun über ein Jahrzehnt lang emsig fortsetzte. Im Jahre 1857 verließ er Graz für einige Monate, indem er sich mit zwei vorzüglichen Meistern im Harfen- und Gitarrenspiel verband und mit ihnen auf einer Rundreise in den Hauptstädten der österreichischen Kronländer Konzerte gab, wobei er sein Lieblingsinstrument, die Violine, spielte.

Nach seiner Rückkehr nach Graz nahm er sein Tätigkeit als Musiklehrer wieder auf, blieb aber noch weiterhin für eine gewisse Zeit mit seinen Reisegefährten in Verbindung. In dieser Zeit gab er mit ihnen bei verschiedenen Veranstaltungen noch einige Konzerte, die vom Publikum gut aufgenommen wurden.

Indem Lorber auf solche Art sowohl auf seiner Rundreise in öffentlichen Konzertsälen oder auch später in der Heimat an verschiedenen Unterhaltungsorten gleichsam berufsmäßig als ausübender Musiker auftrat, verfolgte er damit zweierlei Zwecke. Er wollte dadurch einerseits einen lohnenderen Erwerb erzielen, als sich bei dem mühsamen und dennoch spärlichen Verdienst durch Stundengeben erzielen ließ, anderseits aber hoffte er, gewisse Späherblicke, von welchen er sich wegen seines geheimnisvollen Schreibens mißtrauisch beobachtet fühlte, von diesem ab und mehr auf seine musikalische Berufstätigkeit hinzulenken.

Bald musste er allerdings feststellen, dass er durch diese Nebenbeschäftigung doch zu sehr zerstreut und von dem, was er als seinen eigentlichen Lebensberuf ansah, abgezogen wurde. Er gab deshalb sehr bald seine Konzertauftritte wieder auf und begnügte sich mit dem, was er durch Musikunterricht und Klavierstimmen verdiente. Diese Einnahmen reichten, obwohl seine Bedürfnisse recht bescheiden waren, gerade in den späteren Jahren, als er zu den damit verbundenen vielen und weiten Wegen schon zu gebrechlich geworden war, nicht mehr aus. Hier halfen dann allerdings freiwillig dargebotene Freundesgaben aus.

In den nun folgenden Jahren beschäftigte er sich vorrangig mit dem Niederschreiben des vom Herrn eingegebenen Wortes. In dieser Zeit entstanden die zehn Bände des "Großen Evangelium Johannis" sowie einige Nebenworte. In der Zeit von 1840 bis 1864 entstanden die folgenden Hauptwerke:

Die Haushaltung Gottes (3 Bände, 1840-1844) Der Mond (1841)
Der Saturn (1841/42)
Die Fliege (1842)
Der Großglockner (1842)
Die natürliche Sonne (1842)
Die geistige Sonne (2 Bände, 1842/43)
Schrifttexterklärungen (1843)
Die Jugend Jesu (1843/44)
Der Briefwechsel Jesu mit Abarus (1844)
Der Laodizäerbrief des Apostel Paulus (1844)
Die Erde (1846/47)
Bischof Martin (1847/48)
Robert Blum (2 Bände, 1848/51)
Dreitagesszene (1859/50)
Das große Evangelium Johannis (10 Bände, 1851/64)

Nachdem Jakob Lorber das sechzigste Lebensjahr überschritten hatte, begannen seine körperlichen Kräfte langsam nachzulassen. Dies tat allerdings seiner geistigen Arbeit keinerlei Abbruch. In den letzten Jahren vor seinem Hinscheiden äußerte er des öfteren Todesahnungen, achtete aber auf dieses Gefühl seiner Hinfälligkeit nicht und setzte seine gewohnte Lebensweise unverändert fort. Allerdings bemerkten seine Freunde eine erhöhte Reizbarkeit an ihm und ein allmähliches Abnehmen seiner früheren, oft hinreißenden Heiterkeit, während in ihm eine sehr ernste Seelenstimmung zunahm.
Zu Beginn des Jahres 1864 äußerte Lorber mit großer Bestimmtheit die Überzeugung, dass er das Jahr 1865 nicht mehr erleben würde. Kurz darauf erkrankte er wirklich und musste drei Monate lang das Bett hüten. Auch während dieser Zeit diktierte er dem einen oder anderen seiner Freunde von Zeit zu Zeit noch so manch Tiefsinniges in die Feder.
Zu Beginn des Frühlings erholte er sich wieder allmählich und seine Freunde hofften auf seine vollständige Genesung, zumal er wieder sein Zimmer verlassen konnte und im Freien kleine Spaziergänge unternahm. Er nahm auch wieder seine gewohnte Lebensweise auf, erlangte aber nicht mehr seine vorige Gesundheit, blieb vielmehr fortan schwach und behauptete immer entschiedener, das Herannahen des Endes seiner irdischen Wanderschaft.
Zwei Tage vor seinem Ableben, besuchte er Freunde. Die Hausfrau bereitete ihm ein Gericht, das zu seinen Lieblingsspeisen zählte. Er ließ es sich behaglich munden und sagte dann: "Das war sehr gut, aber in zwei Tagen lebe ich nicht mehr". Der Versuch, ihm dies auszureden, zeigte keinerlei Erfolg, er blieb bei seiner Behauptung, die sich auch tatsächlich bewahrheitete.
In diesem Haus (in Graz) ist Jakob Lorber am 24.09.1864 in seinem 64. Lebensjahr zum himmlischen Vater heimgekehrt.  Zwei Tage später, am 24. August  1864 verstarb Jakob Lorber.  Seine entseelte Hülle wurde  unter zahlreicher Begleitung, die  in dem Verblichenen freilich mehr  dem vielbekannten Violinvirtuosen  als dem ihnen fast unbekannten  Theosophen die letzte Ehre er-  weisen wollten, auf dem Fried-  hofe zu St. Leonhard bei Graz zur  Ruhe gelegt.

 Karl Gottfried Ritter von Leitner  schreibt in dem 1931 erschienen  Buch "Briefe Jakob Lorbers"  folgendes zu Lorbers geistiger  Schreibweise:

 Nachdem ich nun versucht habe,  den äußeren Lebenslauf Jakob  Lorbers nach seinen Haupt-  umrissen zu schildern und ein möglichst ähnliches Bild seiner Persönlichkeit zu entwerfen, fühle ich mich noch im Gewissen verpflichtet, der strengen Wahrheit gemäß beizufügen, was ich von den außerordentlichen geistigen Zuständen, in denen er vierundzwanzig Jahre lebte und wirkte, selbst miterlebt habe, und was ihn als eines der merkwürdigsten und höchst begabten Medien - wie den Vermittler einer Verkehres mit außerirdischen Intelligenzen zu bezeichnen, jetzt längst allgemein üblich geworden ist - unleugbar darstellt, und zwar schon vor vierzig Jahren, und somit zu einer Zeit, wo noch niemand an die Möglichkeit eines solchen Verkehrs glaubte und noch weniger jemand von dem tatsächlichen und sogar häufigen Vorhandensein derartig veranlagter Individuen eine Ahnung hatte, was in unseren Tagen schon durch Tausende von vertrauenswürdigen Zeugen unumstößlich bewährt ist.

Es ist bereits früher erzählt worden, dass Lorber am Morgen des 15. März 1840 durch eine innerlich vernehmbare Stimme berufen wurde, ihr fortan als Schreiber zu dienen. Schon am 10. oder 20. März darauf begegnete mir Lorber abends auf dem mondhellen Hauptplatz in Graz und sagte nach freundlicher Begrüßung zu mir: "Hören Sie! Ich bekomme eine Offenbarung!" Ich war damals, wie man natürlich finden wird, um den Verstand des armen, neuen Propheten besorgt. Allein dennoch nahm ich sein Anerbieten, mir seine "Phantastereien", wofür ich sein Schreiben ansah, nächstens mitbringen zu wollen, recht gerne an. Und schon an einem der nächsten Tage brachte er mir ein Quartblatt und drei halbe Bögen, auf welchen alles von ihm bis dahin Geschriebene bis zum Schlusse des 12. Absatzes des fünften Kapitels der "Urschöpfung der Geister- und Sinnenwelt" enthalten war. Die Schrift war von seiner Hand zwar mitunter unorthographisch, aber sonst rein und ohne alle Stilverbesserung.

Schon während Lorber mir die erste Schriftseiten, welche Belehrungen und Ermahnungen enthielten, vorlas, machte die Einfachheit, Bedeutsamkeit und teilweise Erhabenheit dieser aphoristischen Sätze einen ungewöhnlichen Eindruck auf mich und bestimmte mich, dieser merkwürdigen Erscheinung auch ferner meine vollste Aufmerksamkeit zuzuwenden.

Schon am 25. März fand ich mich bei Lorber, der damals ein nach rückwärts gelegenes Zimmer im ersten Stockwerk des Gasthauses "Zum weißen Kreuz" in der sogenannten "Neuen Welt" bewohnte, persönlich ein, um auf seine Einladung hin selbst Zeuge seiner Schreibhandlung zu sein. Bald nach mir erschienen dort auch mein Freund, der Tondichter Anselm Hüttenbrenner, welcher von Lorber zuerst in sein Geheimnis eingeweiht worden war und der von dem bisher Geschriebenen bereits für sich eine Abschrift gemacht hatte.

Lorber, welchen wir schon beim Schreiben antrafen, setzte nun in unserer Gegenwart seine Arbeit ruhig fort, mäßig schnell, aber ohne auszusetzen und ohne ein Buch vor sich zu haben, ganz nur in sich gekehrt.
Als er den 33. Absatz des fünften Kapitels des schon erwähnten Werkes vollendet hatte, legte er die Feder weg, nahm die Mütze vom Haupte und sagte halblaut: "Deo gratias!" - Hierauf las er uns das Geschriebene anfangs gleichmütig vor, als er aber in die Abteilung 22 zu der Stelle kam: "Diese Träne floss aus dem Herzen der Gottheit und hieß, heißt und wird immer heißen: Die Erbarmung", brach er in Tränen aus und vermochte das folgende vor Erschütterung nur mit Unterbrechungen zu lesen, so dass auch wir dadurch tief gerührt wurden.

Ich besuchte Lorber nun längere Zeit hindurch fast an jedem Tage so oft er schrieb, und war jeweils ein bis zwei Stunden lang Zeuge seiner geheimnisvollen Beschäftigung, wobei sich Szenen seiner tiefsten Ergriffenheit, wie eben geschildert, wiederholt ergaben und er einmal nach Beendigung des neunten Kapitels unter rollenden Tränen ausrief: "Und da sollte man den Herrn nicht lieben?!"

Bei diesem seltsamen Schreibgeschäfte ereignete es sich auch, dass Lorber das von ihm Niedergeschriebene selbst unrichtig auffasste oder ein einzelnes Wort darin nicht verstand. So geschah es am 26. Mai 1840. Er hatte damals über die Anfrage eines Freundes, wie man die Propheten lesen solle, eine kurze Belehrung zu Papier gebracht, welche dahin lautete, man müsse dazu ein starkes Vergrößerungsglas nehmen. Wir, seine Freunde, vermochten aber uns diese offenbar symbolische Rede nicht gehörig auszulegen. Lorber meinte sofort, unter diesem Vergrößerungsglase habe man die Gnade Gottes zu verstehen. Wir wendeten ihm darauf ein, der Mensch könne diese ja nicht, wie es hier angeordnet werde, eigenmächtig selbst nehmen, auch werde die Gnade später noch im Besonderen erwähnt. Er blieb aber fest bei seiner Behauptung und versetzte, der Mensch könne ja die Gnade Gottes verdienen und daher hänge die Erwerbung derselben allerdings von ihm selbst ab. Darauf gingen wir auseinander. Des nächsten Tages aber teilte mir Lorber mit, er habe in Bezug auf unser gestriges Gespräch angefragt und in der bekannten Weise wörtlich folgende Eröffnung erhalten: "Das Meine Rede die anderen nicht verstanden haben, ist nicht zu wundern, wohl aber, dass du sie nicht verstanden hast! Jenes Vergrößerungsglas ist die Demut, deren Begriff viel weiter ist, als ihr ihn gewöhnlich nehmt. Sie ist es, die das eigene Ich ganz klein, alles was außer ihm ist, aber groß erscheinen macht."

Hierher gehört auch ein Vorkommnis von 14. Juni 1849. Ich verweilte damals wieder eine Zeitlang bei Lorber, während er an einem in dem schon erwähnten Werke "Geschichte der Urschöpfung" enthaltenen Reimgedichte zu schreiben fortfuhr. Nachdem es dessen zehnte Strophe (Kap. 32, Vers 6) vollendet hatte, wandte er sich zu mir und sagt: "Jetzt habe ich ein Wort niederschreiben müssen, das ich wahrhaftig selbst nicht verstehe. Was heißt denn das: »Verjahen«?" - Dabei reichte er mir das geschrieben Blatt zur Einsichtnahme hin und ich sah, dass der Schluss dieser Stanze lautete:

"Würdet ihr dann wohl auch Meiner großen Liebe nahen?
Nein, sag` Ich; in alle Zweifel würd`t ihr euch verjahen!"

Ich erinnere mich wohl, dem Worte schon im Alt- oder Mittelhochdeutschen begegnet zu sein, wusste aber über dessen Begriff nicht augenblicklich Bescheid zu geben. Nachdem ich in den folgenden Tagen mehrere Wörterbücher zu Rate gezogen hatte, fand ich endlich in Wolf Ziemanns Mittelhochdeutschen Wörterbuche, Leipzig 1838, die Wörter "jach", "jahen", dann die weitere Wortform: "gach", "gahen" und endlich auf Seite 544 "vergahen" mit der Bedeutung "sich zum Schaden eilen, übereilen", welche für den vorliegenden Fall ganz passte, indem der Schlusssatz dann soviel sagen würde, als: "In alle Zweifel würdet ihr euch jäh (gach) stürzen". Oder in der noch gebräuchlichen Volkssprache: "vergachen". - Diese Auslegung mag übrigens die richtige sein oder nicht, so liefert das Gesagte doch den besten Beweis, dass Lorber bei seinem Schreiben nicht seiner eigenen, sondern einer fremden Intelligenz Folge geleistet hat.

Einen noch schlagenderen, ja unwiderleglichen Beweis dafür lieferte folgendes Ereignis: Am 25. Juni 1844 gab mir Amselm Hüttenbrenner einen Aufsatz Lorbers zu lesen, welchen dieser zwei Tage vorher niedergeschrieben hatte. Es wurde darin kundgetan, dass Schelling, Steffens und Gustav A. berufen oder vielmehr auserwählt seien, um unter den Protestanten die Gemüter auf das Erscheinen dieser neuen theosophischen Schriften vorzubereiten. Zur Bestätigung dessen waren darin zwei Stellen aus dem Werke Steffens: "Die falsche Theologie und der wahre Glaube" mit genauer Angabe der bezüglichen Seitenzahlen wörtlich aufgeführt. - Weder Amselm Hüttenbrenner noch Lorber hatten bis dahin Steffens auch nur dem Namen nach gekannt. Lorber war daher hoch erfreut, als ihm jener, welcher inzwischen im Konversationslexikon von Brockhaus nachgeschlagen hatte, die Mitteilung machte, es gebe wirklich einen Schriftsteller dieses Namens, und dieser habe wirklich ein Werk mit ausgeführten Titel im Drucke erscheinen lassen.

Da ich dieses Werk des mir übrigens wohlbekannten Autors ebenfalls nicht kannte, so machte ich sogleich darauf Bestellung bei der Universitätsbuchhandlung, welche es mir wenige Tage später aushändigte. Ich übergab es noch am Abend des selben Tages an Amselm Hüttenbrenner und verfügte mich des nächsten Morgens zu ihm, um zu erfahren, welches Ergebnis sich bei der zwischenweiligen Vergleichung der Texte in Druck und Schrift ergeben habe. Hüttenbrenner hatte bereits die von Lorber mit Hinweisung auf die Seiten 5 und 6 angedeutete Stelle im Buche aufgefunden, und ich überzeugte mich selbst, dass sie mit jener in Lorbers Manuskript angeführten wörtlich übereinstimmte, nur dass in letzterem ein paar Wortversetzungen vorkamen. Die übrigen von Lorber angegebenen Stellen, welche auf den Seiten 109, 129 und 136 des Buches angetroffen werden sollten, hatte Hüttenbrenner darin nicht aufgefunden. Und auch bei einer von ihm und mir nun gemeinschaftlich wiederholten Suche vermochten wir dort nichts zu entdecken, was mit dem Texte in Lorbers Schrift von Wort zu Wort übereingestimmt hätte, wohl aber trafen wir dort auf Stellen, welche den nämlichen Geist atmeten, in welchen Lorbers Anführungen geschrieben waren. Es bleibt aber bei dem Umstande, da uns nur die zweite Auflage dieses Werkes zur Hand war, doch noch immer die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, dass sich vielleicht in dieser ersten Auflage auch diese Stellen wörtlich vorfinden. Jedenfalls beweist die wörtliche Übereinstimmung der aus den Seiten 5 und 6 wirklich im Drucke vorgefundenen Stelle mit jener in der Handschrift Lorbers, dass er sie unter dem Einflusse einer anderen Intelligenz als der seinen niedergeschrieben hat - was freilich allen jenen unbegreiflich, ja als Humbug erscheinen muss, welche diesem Beweise menschlicher Erfahrungswissenschaft hartnäckig Ohr und Augen verschließen.

Soweit der Bericht von Karl Gottfried Ritter von Leitner, mit dem die Lebensgeschichte von Jakob Lorber abgeschlossen sein soll.



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