Einführung in die Entsprechungslehre


In seinen religiösen Werken weist der schwedische Gelehrte Emanuel Swedenborg unter anderem nach, dass die Heilige Schrift neben den äußeren Buchstabensinn noch einen tiefergehenden geistigen Sinn hat. Ihm war es gegeben, die Erkenntnisse seiner sicherlich inspirierten Bibelstudien wissenschaftlich so aufzuarbeiten, dass er die alte, in der Zeit verloren gegangene Wissenschaft von den Entsprechungen aus dem Dunkel der Vergessenheit entreißen konnte.

Um verstehen zu können, was die Entsprechungswissenschaft ausmacht, muss man bedenken, dass die ältesten Bücher der Bibel über 3000 Jahre alt sind und die neusten Schriftteile auch schon ein Alter von fast 2000 Jahre haben. Dazu kommt noch, dass diese Schriften im orientalischen Raum verfasst wurden, in dem die Menschen ein ganz anderes Sprachverständnis als in unserer vom Rationalismus beherrschten Zeit hatten. Von daher ist es sicherlich nicht verwunderlich, dass der moderne Mensch beim lesen der Bibel gewisse Verständigungsschwierigkeiten hat. Zumal sich im Unterbewusstsein der meisten Menschen nur allzu oft das Gefühl eingenistet hat, dass die Menschen der damaligen Zeit irgendwie einfacher und primitiver als wir Heutigen waren.

Ich denke, wir sollten die Menschen, die da vor Drei- bis Viertausend Jahren gelebt haben nicht unterschätzen. Immerhin haben sie uns Bauwerke wie z.B. die Pyramiden hinterlassen, von denen wir heutigen nur vermuten können wie sie gebaut wurden. Schon in dieser Zeit waren die Namen der Tierkreiszeichen vergeben und die Einteilung des Tages in 24 Stunden haben wir von den Alten übernommen. Ich möchte damit zum Ausdruck bringen, dass viele uns so selbstverständlich erscheinende Dinge aus einer Zeit stammen wo der Raum des heutigen Deutschland noch nicht einmal von den alten Germanen besiedelt war.

Der älteste Autor der Bibel, Moses, hat im Ägypten der Pharaonen, am Königshof, eine umfassende Ausbildung genossen und war dadurch mit allen Wissenschaften seiner Zeit vertraut. Er wusste noch den tieferen Sinn der Bilderschrift zu deuten, wie wir sie heute noch an den Wänden der alten ägyptischen Tempelanlagen bestaunen können. Eine Schrift, in der die einzelnen Bilder noch Gefäße für geistige Inhalte waren. Moses war sich darüber bewusst, dass Worte ihrem Ursprung nach nichts weiter als ein Transportmittel sind, um innere Seelische- oder Geistige Empfindungen bzw. Gedanken von Mensch zu Mensch zu transportieren. So gesehen sind Worte eigentlich nur ein Behälter für geistige Inhalte. Diese Tatsache ist den meisten Menschen völlig unbewusst, und sie sind sich nicht darüber im klaren, dass ein Wort nur dann einen Informationswert hat, wenn ihm ein geistiger Inhalt innewohnt.

Wie schwierig es ist, tiefe Empfindungen in Worte zu fassen, hat sicherlich schon jeder von euch erlebet. Es ist unglaublich schwierig, manchmal sogar unmöglich, für die zarten Gefühle in unserer Brust Worte zu finden, die dem Gegenüber eine Ahnung von dem geben, was in uns vorgeht. Meist müssen wir Worte verwenden, die aus der natürlichen Welt entnommen sind, um sie als Gefäß für unsere Gefühle zu verwenden. Wie anders als durch Worte des Wohlbefindens, will man denn seinem Gegenüber z.B. die ersten zarten aufkeimenden Liebesgefühle zu einem anderen Menschen beschreiben.

Nicht umsonst verwenden Dichter und Poeten in ihren Liebeswerken Worte aus der belebten Natur. Der liebliche Duft einer roten Rose, der warme Lufthauch einer lauen Sommernacht oder die zarten Blätter einer roten Mohnblüte sind doch sicherlich Formulierungen, die dem Hörer eine Ahnung dessen geben welches Gefühl der Dichter ausdrücken wollte. Es werden Worte aus der natürlichen Welt verwenden, die dem auszudrückenden Gefühl, das ja mehr der geistigen Welt entspringt, am besten entsprechen.

Emanuel Swedenborg durfte erkennen, dass die Menschen der alten Zeit dem wahren Ursprung der Worte wesentlich näher waren. Sie waren sich der ursprünglichen Wortbedeutungen noch voll bewusst, so dass sie wesentlich besser in der Lage waren geistige, innermenschliche Empfindungen, Regungen und Antriebskräfte in Worte zu fassen als es der aufgeklärte Mensch unserer Zeit kann. Sie wussten noch, dass zwischen den Dingen der geistigen Welt und denen der natürlichen Welt eine Entsprechung besteht.

Swedenborg formuliert das so: Es besteht ein Entsprechungsverhältnis zwischen den Dingen, die in der geistigen Welt sind, und denen, die in der natürlichen Welt sind.

Dieses Wissen um die Entsprechungen war den Schreibern des alten Testaments noch voll bewusst. So sind auch die Bücher von Moses in der Sprache der Entsprechungen geschrieben. Das heißt, dass Moses, der ja am ägyptischen Königshof eine umfassende Ausbildung genossen hatte und noch die Bilderschrift beherrschte, natürlich auch das Entsprechungsverhältnis zwischen den Dingen, die in der geistigen Welt sind, und denen, die in der natürlichen Welt sind, kannte. Bei dieser Wissenschaft der Entsprechung wird konsequent das Prinzip "Wie oben so auch unten oder wie Innen so auch Außen" angewandt. Im Grunde genommen soll hier eigentlich nur ausgesagt werden, dass Entsprechungen Vorbildungen geistiger und himmlischer Dinge im Natürlichen sind. So entsprechen laut Swedenborg in der Bibel großartige und prächtige Dinge in den Himmeln Neigungen der Liebe zum Guten und Wahren, die garstigen und unreinen Dinge in den Höllen dagegen Neigungen der Liebe zum Bösen und Falschen.

Genau genommen ist die Entsprechungswissenschaft ein Hilfsmittel um die als einfache Worte getarnten Gefäße göttlicher Wahrheiten dem Leser der Heiligen Schrift verständlich zu machen. Dabei ist es den Verfassern der Bibel gelungen die Tiefen des menschlichen Gemüts und dessen Verquickung mit der göttlichen Liebe und Weisheit in kleine äußerlich recht harmlos klingenden Geschichten zu verpacken, die allerdings oftmals in ihrem Buchstabensinn für den modernen Menschen etwas unlogisch erscheinen.

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